Hoffnung für Essgestörte. Magersucht

Folgen von Essstörungen
Category: Beauty, Diät & Muskeln, Gesundheit Tags: , , Comments: 0 Post Date: April 8, 2019

Hoffnung für Essgestörte. Magersucht

Neue therapeutische Möglichkeiten

Mindestens jede 100. heranwachsende Frau in Deutschland leidet an Magersucht, etwa dreimal so viele leiden an Bulimie (Ess-Brech-Sucht). Das Alter bei Erkrankungsbeginn nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Obwohl sich die Therapie stetig verbessert hat und zunehmend standardisierte und gut evaluierte Verfahren eingesetzt werden, lassen die Krankheitssymptome nur bei etwa der Hälfte der Patientinnen dauerhaft nach. Neue Therapiekonzepte, die zusätzlich die Arbeit an der Emotionsregulation einbeziehen, erhöhen die Aussicht auf Behandlungserfolg
Essstörungen kosten Lebensjahre. Sie kosten psychosoziale Funktionsfähigkeit, Lebensqualität und Gesundheit. Sie beeinflussen die Entwicklung und wirken sich dauerhaft auf alle Lebensbereiche aus. Auf Alkohol kann man verzichten, auf Nahrungsmittel nicht. Essen ist überlebenswichtig. Bei einer Essstörung wird es zum Feind, manchmal gekleidet in das Gewand eines Freundes. Es gilt mit beiden leben zu lernen.

Folgen von Essstörungen

“Verändertes Essverhalten ist häufig eine Folge von Stressbelastung, Traumatisierung oder von Schwierigkeiten, mit Emotionen umzugehen. Gesellschaftliche Faktoren wie Schlankheitsideale können die Entwicklung einer Essstörung zwar begünstigen, besonders im Langzeitverlauf aber spielen sie eine eher untergeordnete Rolle”, erklärt Diplom-Psychologin Judith Kugelmann. Sie ist die stellvertretende Leitende Psychologin der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster und auf die Behandlung von Essstörungen spezialisiert. 

State of the Art sind komplexe Behandlungsprogramme, die sich aus verschiedenen Bausteinen (Modulen) zusammensetzen. Diese werden je nach Bedarf auf das Störungsbild und die individuelle Situation des Patien-ten abgestimmt. Das Modul der Emotionsregulation entspringt vor allem der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) von Borderline-Patienten. Es hat sich in abgewandelter Form auch bei der Behandlung von Essstörungen bewährt. Nun hält es Einzug in die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), der am besten überprüften und nachweislich wirksamsten Behandlungsform von Essstörungen. “Die KVT erlebt momentan ihre sogenannte dritte Welle: Sie öffnet sich zunehmend auch anderen Therapieansätzen, vorausgesetzt diese erweisen sich als wirksam. Davon profitieren Therapeuten ebenso wie Patienten”, meint Judith Kugelmann. 

Emotionen steuern Verhalten, lösen Handlungstendenzen aus. Klassisches Beispiel ist das Fluchtverhalten bei Angst. Es gibt primäre Emotionen wie Angst und sekundäre, Scham zum Beispiel. Wie Menschen auf Emotionen reagieren, hängt davon ab, wie sie sie bewerten. Bewertungen von Emotionen werden früh geprägt: “Du bist doch kein Angsthase”, “Indianer kennen keine Tränen” und so weiter. Wenn man sich trotzdem ängstigt oder weint, schämt man sich. Die Handlungstendenz von Angst ist Vermeidung, von Traurigkeit Rückzug – oder Aggression. Kein Mensch ist erpicht darauf, unangenehme Emotionen häufiger zu erleben. “Emotionen zu vermeiden schützt jedoch nur kurzfristig, langfristig hält es einen vom Leben ab, denn es macht ängstlicher und depressiver”, weiß die Psychotherapeutin. 

Das Modul Emotions management

Das Modul Emotionsmanagement beinhaltet, Emotionen wahrnehmen und benennen zu lernen und Fertigkeiten zu entwickeln, um innere Spannungen abzubauen. Es kann sinnvoll sein mit einer Emotion zu handeln, zum Beispiel bei akuter Bedrohung zu fliehen. Manchmal aber ist es sinnvoller, sich genau entgegengesetzt zu verhalten, also trotz Angst zu bleiben oder sich bei Traurigkeit nicht einzugraben, die Schokolade nicht zu essen oder das Gewicht nicht zu kontrollieren, sondern aus der Situation heraus vor die Tür zu gehen. Vor allem aber ist es wichtig zu lernen, Emotionen nicht zu bewerten, sie im Sinne der Achtsamkeitstheorie “einfach” nur wahrzunehmen. Denn das schafft Abstand und den nötigen Handlungsaufschub, um Automatismen aufzulösen, die auch bei Essstörungen eine zentrale Rolle spielen. Was sich auf dem Papier so einfach anhört, ist enorm schwierig und ein langwieriger Prozess, der nur mit guter Anleitung und viel Übung gelingt. Mit Willensanstrengung und Selbstkontrolle allein ist eine Essstörung meist nicht in den Griff zu bekommen. 

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5.00 out of 5)
Loading...

Share this post

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *